{"id":4678,"date":"2024-08-11T13:13:43","date_gmt":"2024-08-11T11:13:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/?p=4678"},"modified":"2024-08-25T22:07:04","modified_gmt":"2024-08-25T20:07:04","slug":"ausgediente-stadt-land-diskussion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/?p=4678","title":{"rendered":"STADT-LAND-DISKUSSION: AUSGEDIENT"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit f\u00fcnfzig Jahren bem\u00fcht sich die Schweizer Politik, Ungleichgewichte zwischen Stadt und Land auszugleichen, dies mit der Regionalpolitik, aktuell unter dem Programmtitel \u00abNeue Regionalpolitik (NRP)\u00bb. Diese Bem\u00fchungen sollen durchaus wahrgenommen werden, sofern sie Neues erm\u00f6glichen. Die klassischen Stadt-Land-Klischees sollten dabei \u2013 dies die Sicht eines Glarner Regionalpolitikers \u2013 \u00fcberwunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die Randregionen als Kostenfaktor<br><br>Auch in der kleinen Schweiz brechen zwischen den Zentren und der Peripherie immer wieder Interessenskonflikte auf, selbst in Zeiten, in denen regionalpolitische Fragestellungen nicht im Mittelpunkt der politischen und gesellschaftlichen Diskussion stehen. Es braucht nur ein paar Murg\u00e4nge und Hochwassersituationen in den Alpen, und gleich kommt die Frage (wieder) auf, ob die Schweiz einen Teil ihrer Alpent\u00e4ler aufgeben soll. Bei Avenir Suisse heisst dies: \u00abWir werden wohl nicht darum herumkommen, einzelne Siedlungen aufzugeben.\u00bb Reinhard Steurer, Professor f\u00fcr Klimapolitik an der Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur in Wien, prognostiziert, dass man gewisse exponierte Alpent\u00e4ler teilweise aufgeben m\u00fcsse. \u00abDie Infra\u00adstruktur wird dort \u00f6fter zerst\u00f6rt werden, als man sie wieder aufbauen kann.\u00bb (NZZ am Sonntag, 29. Juni 2024) Die Pr\u00e4sidentin der Regierungskonferenz der Gebirgskantone, Carmelia Maissen, konterte umgehend: \u00abWir werden sicher keine ganzen T\u00e4ler aufgeben\u00bb, und warnt vor einer \u00abverk\u00fcrzten und zynischen Sicht\u00bb auf die Umsiedlung von Alpent\u00e4lern. (Tages-Anzeiger, 7. Juli 2024)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Klima- und Wetterdiskussion wird reflexartig auf die Stadt-Land-Diskussion \u00fcbertragen oder gar reduziert. Unwetter fluten auch Innenst\u00e4dte in der urbanen Schweiz, kappen Stromnetze oder legen den Flugverkehr lahm. Doch es sind die Randregionen, die vor allem als Kostenfaktor gesehen werden. Die Rechnung erfolgt jedoch einseitig und punktuell, nicht-monet\u00e4re Faktoren werden gar nicht erst ber\u00fccksichtigt.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Die Alpine Brache als Denkanstoss<br><br>Bereits anfangs dieses Jahrhunderts stritt die Schweiz \u00fcber die Frage, ob Teile der Schweiz \u00abaufgegeben\u00bb werden sollten, dies jedoch mit ganz anderem Hintergrund. Das ETH Studio Basel, unter anderem mit den vier Architekten Roger Diener, Jacques Herzog, Marcel Meili und Pierre de Meuron sowie dem Geografen Christian Schmid erstellten nach umfassenden Analysen der ungleichen Entwicklung der Schweiz im Jahre 2005 ein \u00abst\u00e4dtebauliches Portrait\u00bb mit ungewohnten Konzepten und Denkanst\u00f6ssen, wohl sehr konzeptionell und abstrakt, aber dennoch anregend, wenigstens dann, wenn die Realit\u00e4t nicht ganz \u00abaussen vor\u00bb gelassen wurde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>2013 verfassten Franziska Singer und Christian Mueller vom ETH Studio Basel aufgrund ihrer Diplomarbeit eine Studie zu Glarus S\u00fcd, die M\u00f6glichkeiten der Alpinen Brache aufzeigten. Rahel Marti, stv. Chefredaktorin, kommentierte diese 2013 in der Hochparterre-Themenausgabe zu Glarus S\u00fcd mit kritischem Blick. Acht Jahre nach der ersten These des ETH Studio Basels und der Identifikation von Alpinen Brachen hielten die Basler noch immer an ihrer Analyse fest. Obwohl die Wogen bereits 2005 hochgingen, erg\u00e4nzten sie nun mit einem Entwurf, \u00abIdeen also, was werden k\u00f6nnte in der Alpinen Brache Glarus S\u00fcd. Doch: Grossalp im Sernftal? Alte Fabriken und Wald im Grosstal? Das soll die Zukunft von Glarus S\u00fcd sein? Man kann das Glarner Poltern schon fast h\u00f6ren: Realit\u00e4tsfern! Verachtend! Denn in Glarus S\u00fcd ist doch alles intakt und normal: Der Service Public l\u00e4uft. Die Arbeitslosenzahlen sind kaum h\u00f6her als anderswo.\u00bb Doch Marti betont auch die problematischen Seiten der Gegend, die Stagnation oder sogar Abnahme von Wirtschaft, Bev\u00f6lkerung und Tourismus, die leeren Gemeindekassen. Das ETH Studio Basel habe daraufhin nach den St\u00e4rken gesucht. \u00abIhr Befund ist klar. Die Landschaft ist das grosse Kapital. In den Agglomerationen des Mittellandes wird diese Ressource knapp. Glarus S\u00fcd dagegen sitzt auf Bergen davon. Nahe bei Z\u00fcrich.\u00bb Auch wenn Marti in der Studie einige Schwachpunkte sieht, unterst\u00fctzt sie die Stossrichtung, n\u00e4mlich dass die wertvolle Landschaft von Glarus S\u00fcd tats\u00e4chlich das gr\u00f6sste Potenzial der Region sei \u2013 im Grosstal mit den Industriedenkm\u00e4lern und im Sernftal mit den noch kaum verbauten H\u00e4ngen und Alpen der Berglandwirtschaft. \u00ab[\u2026] das ist der Rohstoff von Glarus S\u00fcd. Daraus kann die Gemeinde Spielr\u00e4ume f\u00fcr eine eigenst\u00e4ndige Entwicklung sch\u00f6pfen \u2013 R\u00e4ume zum Arbeiten und Wohnen, R\u00e4ume f\u00fcr die Erholung.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><br>F\u00fcnfzig Jahre Regionalpolitik&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die klassisch definierte schweizerische Regionalpolitik gibt es seit f\u00fcnfzig Jahren. Die Anf\u00e4nge der Regionalpolitik finden sich jedoch schon 1848. Das Zweikammersystem, das St\u00e4ndemehr, die (nicht mehr streng eingehaltene) Kantonsklausel bei den Bundesratswahlen, die zwischenzeitlich entstandene Land\u00adwirtschaftspolitik und andere Sektorialpolitiken, der Finanzausgleich wie auch Massnahmen beim Service Public \u2013 all dies ist Regionalpolitik. Nach verschiedenen partiellen Aktivit\u00e4ten erfolgten 1969 zwei parlamentarische Vorst\u00f6sse (Brosi\/Danioth), die 1974 zum Investitionshilfegesetz (IHG) f\u00fcr Berggebiete samt Schaffung einer Zentralstelle f\u00fcr die regionale Wirt\u00adschaftsf\u00f6rderung f\u00fchrten. Daher wird das Jahr 1974 als Geburtsjahr der eigentlichen schweizerischen Regionalpolitik gesehen. Dem Namen des Gesetzes entsprechend ging es in den ersten dreissig Jahren darum, in den strukturschwachen Regionen die notwendigen, zeitgem\u00e4ssen (\u00f6ffentlichen) Infrastrukturen aufzubauen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>2008 erfolgte dann ein grundlegender Wandel. Die Regionalpolitik als \u00abNeue Regionalpolitik (NRP)\u00bb fokussierte sich auf die F\u00f6rderung von Innovationen, Unternehmertum und Wertsch\u00f6pfung. Alle acht Jahre erfolgten grundlegende Anpas\u00adsungen. F\u00fcr die dritte Mehrjahres\u00adperiode (2024\u20132031) wurde vom Parlament 2023, nebst der Unterst\u00fctzung des Tourismus und der Industrie, neu auch diejenige von Kleininfrastrukturen gutgeheissen, wobei der lokalen Wirtschaft, der nachhaltigen Entwicklung und der Digitalisierung besonderes Gewicht zuzusprechen sei.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Stadt und Land im Dialog?<\/p>\n\n\n\n<p>Die nationale Netzwerkstelle f\u00fcr Regionalentwicklung in der Schweiz, Regiosuisse, feiert die f\u00fcnfzig Jahre Regionalpolitik als Erfolgsgeschichte. Daneben sieht die ebenso wichtige Schweizerische Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Berggebiete (SAB) die Regionalpolitik als Impulsgeberin, die zahlreiche bedeutende Vorhaben erst erm\u00f6glicht hatte. Dennoch l\u00e4sst aufhorchen, dass bei dieser langj\u00e4hrigen Regionalpolitik der Slogan \u00abStadt und Land im Dialog\u00bb mit vielen Fragezeichen versehen wird, was sich der Einladung an eine breit abgest\u00fctzte Tagung entnehmen l\u00e4sst:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abBei politischen Gesch\u00e4ften wird in der \u00d6ffentlichkeit gerne von Gr\u00e4ben gesprochen. Der Stadt-Land-Graben und der R\u00f6sti-Graben sind die wohl bekanntesten Gr\u00e4ben. Doch existieren sie wirklich oder handelt es sich schlicht um Vereinfachungen von komplexen Sachverhalten? Sind Stadt und Land in der kleinen Schweiz nicht zu stark miteinander verzahnt, um sie auseinander zu dividieren? Welche Bestrebungen verfolgen der Bund und die Kantone, um den Zusammenhalt von Stadt und Land in der Schweiz zu f\u00f6rdern? Wie k\u00f6nnen Abh\u00e4ngigkeiten vermieden und die Berggebiete und l\u00e4ndlichen R\u00e4ume gest\u00e4rkt werden? Welchen Beitrag leistet dazu beispielsweise die Regionalpolitik des Bundes, die im Jahr 2024 genau seit f\u00fcnfzig Jahren besteht? Mit welchen konkreten Projekten k\u00f6nnen der Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land noch st\u00e4rker gef\u00f6rdert werden?\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Auch bei der Bundesfeier auf dem R\u00fctli steht 2024 die F\u00f6rderung des Dialogs zwischen Stadt und Land im Zentrum. Die Schweizerische Gemeinn\u00fctzige Gesell\u00adschaft (SGG) organisierte die 1. August\u00adfeier zusammen mit den zwei politischen Schwergewichten in Stadt-Land-Fragen, dem Schweizerischen St\u00e4dteverband (SSV) und der Schweizerischen Arbeits\u00adgemein\u00adschaft f\u00fcr die Berggebiete (SAB). Hoffen wir, dass dieser Dialog zur Norma\u00adlit\u00e4t wird und nicht nur als Jubil\u00e4ums-Slogan dient.<br><br><br>Badezimmer und ein UNESCO-Label<br><br>Die Schaffung von Badezimmern und das Label UNESCO-Welterbe sind beides Resultate der Regionalpolitik. Doch fangen wir von vorne an, im Jahre 1969: \u00abDie Gr\u00fcndung der Regionalplanungsgruppe Glarner Hinterland-Sernftal erfolgt aus der Sorge um die r\u00fcckl\u00e4ufige Entwicklung der beiden Talschaften: Entv\u00f6lkerung, \u00dcberalterung, zum Teil fehlende Infra\u00adstruktur, Verkehrsprobleme, die Forderun\u00adgen des Landschafts- und Heimatschutzes und damit auch die schwierige Lage der kleinen Gemeinden in finanzieller und personeller Hinsicht &#8230;\u00bb, schreibt Hans Zopfi, der damalige Gemeindepr\u00e4sident von Schwanden und die zentrale Person der aufkommenden Regionalpolitik. Somit war das s\u00fcdliche Glarnerland sehr fr\u00fch regionalpolitisch aktiv. Die kantonale und nationale F\u00f6rderungsw\u00fcrdigkeit war jedoch Resultat eines z\u00e4hen Ringens und die offizielle Anerkennung erfolgte erst 1974. Somit w\u00e4re die Region Glarner Hinterland-Sernftal 2024 f\u00fcnfzig Jahre alt geworden, wie die nationale Regionalpolitik. W\u00e4re? Durch einen Landsgemeindeentscheid von 2006 gibt es im Kanton Glarus seit 2010 nur noch drei Gemeinden, Glarus, Glarus Nord \u2013 und die 13 (urspr\u00fcnglich 17) Gemeinden der Region Glarner Hinterland-Sernftal wurden zur Einheitsgemeinde Glarus S\u00fcd. Der Regionsverein wurde abgeschafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Von 1974 bis 2010 konnte in Glarus S\u00fcd ein Grossteil des strukturellen Nachholbedarfes umgesetzt werden, allein in den ersten zwanzig Jahren mit gegen hundert Infrastrukturprojekten: Wasserversorgungen und Kanalisationen, Bach- und Lawinenverbauungen, Schul\u00adr\u00e4umlichkeiten, Mehrzweck- und Sport\u00adhallen, Altersheimen, Dorfl\u00e4den, Fernsehumsetzer et cetera. Erg\u00e4nzend gab es Unterst\u00fctzungen f\u00fcr Private, um zum Beispiel Badezimmer in ihre Wohnh\u00e4user einzubauen \u2013 zur damaligen Zeit keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 1997 folgte das Programm \u00abRegioPlus\u00bb, um den Strukturwandel zu st\u00e4rken. Daraus entstand der Geopark Sardona, dessen Kerngebiet 2008 als Tektonikarena Sardona als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt wurde. Selbst wenn die direkte Wertsch\u00f6pfung beschr\u00e4nkt blieb, wurde dieses UNESCO-Label in vielen (touristischen) Bereichen pr\u00e4gend und st\u00e4rkte die Position des (s\u00fcdlichen) Glarnerlandes.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 2008 l\u00f6ste das Programm \u00abNeue Regionalpolitik (NRP)\u00bb den Fokus auf Infrastrukturprojekte ab. Daf\u00fcr lancierte der Bund unter anderem das \u00abPilotprojekt NRP Glarus\u00bb, das bereits wichtige Eckpunkte f\u00fcr die sp\u00e4tere Gemeindestrukturreform im Kanton Glarus auff\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Was erstaunen mag<\/p>\n\n\n\n<p>Die schweizerischen regionalpolitischen Akteur*innen sind weiterhin \u00fcberaus aktiv und pr\u00e4sent. Der Kanton Glarus, insbesondere die Gemeinde Glarus S\u00fcd, sammelte viel Erfahrung im Bereich der Regionalpolitik. Es erstaunt hingegen, wie sich der Kanton Glarus schwertut, diese Kenntnisse f\u00fcr sich umzusetzen. Ob das damit zu tun hat, dass mit der Reduktion auf drei Gemeinden die Region unterging? Die Regionsarbeit wurde hinf\u00e4llig, deren Aufgabenbereiche aber nicht. Es ist zu hoffen, dass das \u00abNRP-Mehrjahresprogramm 2024\u20132031\u00bb mit den neuen Schwerpunkten Kleininfrastrukturen und lokale Wirtschaft die Glarner Gemeinden und den Kanton Glarus wiederum aktiver werden l\u00e4sst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In Glarus S\u00fcd kann es nicht der Regional\u00adpolitik (oder Standortf\u00f6rderung) angelastet werden, dass in den vergangenen Jahren kaum innovative Projekte umgesetzt werden konnten. Auch wenn Glarus S\u00fcd mit 10 000 Einwohner*innen eine beschr\u00e4nkte Gr\u00f6sse aufweist, darf sich die Anzahl der Ideen und Projekte durchaus sehen lassen, sogar als ph\u00e4nomenal bezeichnet werden. Einige Beispiele: Umnutzung alter Fabrikareale zu Hotel- und Wohnanlagen, zu Co-Working-\/Living-St\u00e4tten, zu Bitcoin-, Solarzellen-, Insekten- oder medizinalen Hanffabriken, ein Automobil-Museum, neue innovative Wohn- und Tourismusanlagen, ein Musikhotel, ein Golfplatz. Erstaunlich ist, dass sinnvolle Projekte liegengelassen oder gar aktiv verhindert werden und deshalb kaum ein gr\u00f6sseres Projekt umgesetzt werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch zeigt sich noch ein ganz anderes erstaunliches Ph\u00e4nomen, das zwar zu vielen Projekten f\u00fchrt, die die St\u00e4rkung von Glarus S\u00fcd zum Ziel haben \u2013 die in der Folge jedoch nicht umgesetzt werden. Der begrenzte Perimeter von Glarus S\u00fcd eignet sich sehr gut als Studienobjekt. Einige Kooperationen mit Studierendenarbeiten oder auch Studien mit den Betroffenen vor Ort erm\u00f6glichen viele gut gemeinte, konkrete Projekte zur Rettung von Glarus S\u00fcd auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Der Haken: Ist man f\u00fcr die Umsetzung solcher Projekte endlich startbereit, sind die Projektverfassenden weit weg und die Betroffenen haben den Faden verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben bringen globale Ereignisse unverhofft Schwung in eine jahrelange stagnierende Entwicklung \u2013 auch im Kanton Glarus. So geschehen mit der Corona-Pandemie. Es wird sich zeigen, wie nachhaltig diese Ver\u00e4nderungen sind. Es gibt neue Bewohner*innen. Teilweise bilden sich spannende neue (urbane) Cluster. Die Sch\u00fcler*innenzahlen steigen, selbst in Glarus S\u00fcd. Neue Arbeitsweisen (Homeoffice, Mountain Hub, Multilokali\u00adt\u00e4t) halten Einzug. Und weniger erstaunlich \u2013 die Corona-Pandemie hat im Kanton Glarus auch zu merklich h\u00f6heren Miet- und Immobilienpreisen gef\u00fchrt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es muss und kann nicht alles gemacht werden. Nicht jedes Projekt w\u00fcrde die erhofften Resultate bringen. Aber nichts tun, nichts tun k\u00f6nnen, das bringt auch nichts.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Hat der klassische Stadt-Land-Begriff ausgedient?<br><br>Selbstverst\u00e4ndlich gibt es Eigenarten, die den Zentren zugeordnet werden k\u00f6nnen und andere der Peripherie. So soll es auch sein und bleiben. Doch wertfrei betrachtet, sind die st\u00e4dtischen Bedingungen weder besser noch schlechter als die l\u00e4ndlichen, sondern einfach anders. Auch wenn vielleicht etwas an den einen Orten einfacher und an anderen Orten schwieriger oder gar nicht umsetzbar ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bericht des Rates f\u00fcr Raumordnung (ROR) von 2023 betrachtet die Ver\u00e4n\u00adderungen zwischen Zentren und der Peripherie und zieht Konklusionen. Vertiefungen sind im Text \u00abWenn Peri\u00adpherien zu Zentren werden\u00bb (Brandner\/ B\u00fcrgin\/Mayer, S. 237) nachzulesen. Der dort aufgef\u00fchrte Perspektivenwechsel wird mit der Schaffung von f\u00fcnf Peri\u00adpherie-Typen vorgenommen. Wieso jedoch das klischeebehaftete Begriffspaar \u00abZentrum \u2013 Peripherie\u00bb nicht gleich abschaffen oder auf einen technischen Raumplanungsbegriff zur\u00fcckstufen? Lebendige (oder lebenswerte) Regionen sind doch das Ziel, unabh\u00e4ngig davon, ob diese nun urban oder peripher sind. Jede Region oder gar jeder Ort hat seine ihm eigenen Rahmenbedingungen und Potenziale. Diese gilt es einerseits zu respektieren und andererseits einzusetzen, um alle Energien zur Schaffung von lebenswerten Regionen aufzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Vieles geht in die richtige Richtung.<br><br>In den K\u00f6pfen wird es jedoch noch Jahrzehnte dauern, bis das \u00abHelfer*innen\u00adsyndrom\u00bb als Reaktion auf das Klischee von der abgeh\u00e4ngten und benachteiligten Peripherie und die diesbez\u00fcglichen Missverst\u00e4ndnisse verflogen sein werden. Die Slogans \u00abStadt und Land im Dialog\u00bb und \u00abLebendige Peripherien in der Schweiz: Transformation gemeinsam gestalten\u00bb d\u00fcrfen keine Floskeln bleiben. Von Z\u00fcrich nach Glarus ist es gleich weit, wie von Glarus nach Z\u00fcrich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit f\u00fcnfzig Jahren bem\u00fcht sich die Schweizer Politik, Ungleichgewichte zwischen Stadt und Land auszugleichen, dies mit der Regionalpolitik, aktuell unter dem Programmtitel \u00abNeue Regionalpolitik (NRP)\u00bb. Diese Bem\u00fchungen sollen durchaus wahrgenommen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_EventAllDay":false,"_EventTimezone":"","_EventStartDate":"","_EventEndDate":"","_EventStartDateUTC":"","_EventEndDateUTC":"","_EventShowMap":false,"_EventShowMapLink":false,"_EventURL":"","_EventCost":"","_EventCostDescription":"","_EventCurrencySymbol":"","_EventCurrencyCode":"","_EventCurrencyPosition":"","_EventDateTimeSeparator":"","_EventTimeRangeSeparator":"","_EventOrganizerID":[],"_EventVenueID":[],"_OrganizerEmail":"","_OrganizerPhone":"","_OrganizerWebsite":"","_VenueAddress":"","_VenueCity":"","_VenueCountry":"","_VenueProvince":"","_VenueState":"","_VenueZip":"","_VenuePhone":"","_VenueURL":"","_VenueStateProvince":"","_VenueLat":"","_VenueLng":"","_VenueShowMap":false,"_VenueShowMapLink":false,"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[124,301,233,203,181,65,153,117,274,125,346,345,257,72,190,349,350,184,348,347,217,186,122],"class_list":["post-4678","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-context","tag-abwanderung","tag-alpen","tag-alpine-brache","tag-co-living","tag-co-working","tag-glarus","tag-infrastruktur","tag-klima","tag-landschaft","tag-peripherie","tag-randregion","tag-regionalpolitik","tag-ressourcen","tag-solarenergie","tag-stadt-land","tag-standortfoerderung","tag-tourismus","tag-transformation","tag-umnutzung","tag-wertschoepfung","tag-wirtschaft","tag-zentrum","tag-zuwanderung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4678","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4678"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4678\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4797,"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4678\/revisions\/4797"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4678"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4678"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4678"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}