{"id":717,"date":"2023-07-07T14:48:44","date_gmt":"2023-07-07T12:48:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/wordpress\/?p=717"},"modified":"2024-08-25T22:03:36","modified_gmt":"2024-08-25T20:03:36","slug":"wir-sind-glarus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/?p=717","title":{"rendered":"WIR SIND GLARUS"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Europa ist zwar seit Jahrzehnten eine beliebte Destination f\u00fcr internationale Einwanderung, die Bev\u00f6lkerungsentwicklung auf unteren Staatsebenen f\u00e4llt jedoch extrem unterschiedlich aus. Bei einer Adjustierung der Perspektive auf das Subnationale zeigen sich gar widerspr\u00fcchliche Trends: Viele Menschen, die sich in wirtschaftlich dynamischen St\u00e4dten ansiedeln (\u00abOasen\u00bb), entfliehen wirtschaftlich angeschlagenen, peripheren Regionen (\u00abW\u00fcsten\u00bb). So ist auch die Anzahl Einwohner*innen der gesamten Schweiz zwischen 1850 und 2022 von 2,4 auf 8,8 Millionen angestiegen \u2013 jene des Kantons Glarus in der gleichen Periode allerdings lediglich von gut 30\u2019000 auf 41\u2019000. Hinter diesem vergleichsweise inexistenten Bev\u00f6lkerungswachstum versteckt sich das Ph\u00e4nomen, dass Regionen wie der Kanton Glarus gleichzeitig eine betr\u00e4chtliche Abwanderung erleben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Globale und nationale Wirtschaftskrisen versch\u00e4rfen diesen Trend und setzen einen Teufelskreis aus demografischem R\u00fcckgang, wirtschaftlichem Abschwung, abnehmender Attraktivit\u00e4t, steigenden Staatsausgaben und einer h\u00f6heren Steuerlast in Gang. Komplexe Wechselwirkungen zwischen nationalen und regionalen Bev\u00f6lkerungsbewegungen, territorialen Ungleichheiten, Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherie sowie politische Entscheidungen auf mehreren Ebenen pr\u00e4gen dabei den \u00f6ffentlichen Diskurs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br>So peripher und doch so nah<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der \u00ab9 Millionen Schweiz\u00bb ist das Wachstum sehr ungleich verteilt. Obwohl die Wirtschaft brummt und allerorts Fachkr\u00e4fte fehlen, nehmen die Unterschiede und somit auch die Ausgleichszahlungen zwischen \u00abreichen\u00bb und \u00abarmen\u00bb Kantonen zu: Glarus ist \u00abNehmerkanton\u00bb und <a href=\"https:\/\/www.efv.admin.ch\/efv\/de\/home\/themen\/finanzausgleich\/aktuell.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.efv.admin.ch\/efv\/de\/home\/themen\/finanzausgleich\/aktuell.html\">erh\u00e4lt im Jahr 2023 gut 65 Millionen Schweizer Franken<\/a>, also knapp 1600 Franken pro Einwohner*in.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-link-color wp-elements-0f5e69c50f00aa66ec15b7428596897b wp-block-paragraph\">Nur die Kantone Uri, Freiburg, Jura und Wallis erhalten pro Kopf mehr Geld aus dem Finanzausgleich, n\u00e4mlich zwischen 1800 und 2400 Franken. Wenn man alle von Bund, Nationalbank und anderen Kantonen erhaltenen Beitr\u00e4ge, Entsch\u00e4digungen und Steueranteile summiert und sie in Relation zu den gesamten kantonalen Einnahmen setzt, so wiesen <a href=\"https:\/\/www.efv.admin.ch\/efv\/de\/home\/themen\/finanzstatistik\/daten.html\">im Jahr 2021<\/a> vier Kantone eine h\u00f6here Fremd- als Eigenfinanzierung aus: Jura, Uri, Glarus und Graub\u00fcnden finanzierten sich nur zu 43 bis 48 Prozent selbst. Am anderen Ende der Skala befinden sich Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Genf mit \u00fcber 70 Prozent Eigenmitteln. Es sind also, wie so oft, alle Kantone gleich autonom, aber einige (finanziell) doch etwas autonomer als andere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kanton Glarus im Speziellen hat heute praktisch gleich viele Einwohner*innen wie 1850 (Abbildung 1). Dies entspricht zwar immer noch einer Zunahme von 36 Prozent, ist aber nichts im Vergleich mit jenen von Waadt (plus 312 Prozent), Z\u00fcrich (plus 524 Prozent) oder Genf (plus 494 Prozent). Die gesamte Schweiz hat seit 1850 eine Bev\u00f6lkerungszunahme von stolzen 265 Prozent zu verzeichnen. Auch die <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bevoelkerung\/zukuenftige-entwicklung\/schweiz-szenarien.html#:~:text=Das%20%22hohe%22%20Szenario%20sieht%20f\u00fcr,9%2C5%20Millionen%20Personen%20erreicht.\">Vorhersagen des Bundesamtes f\u00fcr Statistik<\/a> bis 2050 verheissen mehr vom bereits Bekannten: Dann n\u00e4mlich soll der Kanton Glarus im mittleren \u00abReferenzszenario\u00bb gut 42\u2019000 Einwohner*innen aufweisen (plus 4 Prozent gegen\u00fcber heute), im \u00abtiefen\u00bb Szenario gar weniger als heute, n\u00e4mlich 38\u2019000 (minus 7 Prozent gegen\u00fcber heute). Boomkantone wie Z\u00fcrich, Waadt oder Genf gewinnen auch im wachstumsskeptischen Szenario noch bis zu 17 Prozent an st\u00e4ndiger Bev\u00f6lkerung hinzu. So weit auseinander liegen unsere beiden \u00abSchweizen\u00bb: dort die urbane, die floriert, hier die alpine, die stagniert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large content_bild\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"585\" src=\"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/jm_1-1024x585.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2824\" srcset=\"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/jm_1-1024x585.png 1024w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/jm_1-300x171.png 300w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/jm_1-768x439.png 768w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/jm_1-1536x878.png 1536w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/jm_1-2048x1171.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph\">Abbildung 1: St\u00e4ndige Wohnbev\u00f6lkerung des Kantons Glarus, 1850\u20132050<br><em>Quelle: Eigene Grafik mit Daten des Bundesamtes f\u00fcr Statistik<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diesem Unterschied liegen haupts\u00e4chlich kantonale Wirtschaftsstrukturen zugrunde. Schauen wir uns diese genauer an, wird klar, wie stark im Kanton Glarus die Industrialisierung nach wie vor verankert ist: Nur gerade der Kanton Jura hatte 2018 einen (minimal) h\u00f6heren Anteil an Besch\u00e4ftigten bzw. Arbeitsst\u00e4tten im zweiten Sektor (Abbildung 2). Konsequenterweise br\u00fcstet sich das <a href=\"https:\/\/www.gl.ch\/verwaltung\/volkswirtschaft-und-inneres\/wirtschaft-und-arbeit\/wirtschaft\/facts-and-figures\/branchenverzeichnis.html\/1805\">Branchenverzeichnis des Kantons Glarus<\/a> mit dem Vorhandensein von sieben \u00ablandesweit, andere[n] sogar weltweit f\u00fchrend[en]\u00bb Firmen, davon sechs aus der industriellen Produktion: Kunststoff Schwanden (200 bis 500 Mitarbeitende), Swisspearl (ehemals Eternit, 2400 Mitarbeitende weltweit), L\u00e4derach (1700 Mitarbeitende weltweit), Netstal Maschinen (500 Mitarbeitende weltweit), Resilux Schweiz (50 bis 249 Mitarbeitende) und Kopter (150 Mitarbeitende).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large content_bild\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/jm_2-1-1024x684.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2826\" srcset=\"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/jm_2-1-1024x684.png 1024w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/jm_2-1-300x200.png 300w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/jm_2-1-768x513.png 768w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/jm_2-1-1536x1026.png 1536w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/jm_2-1.png 1910w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph\">Abbildung 2: Kantonale Industrialisierung und Finanzst\u00e4rke, 2008\u20132024<br><em>Quelle: Eigene Grafik mit Daten des Bundesamtes f\u00fcr Statistik. Die Vertikale und Horizontale zeigen die Durchschnitte \u00fcber alle Kantone hinweg an, die Diagonale stellt den linearen Zusammenhang zwischen den beiden Dimensionen dar.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings korreliert der Industrialisierungsgrad eines Kantons sehr stark negativ mit seiner Finanzkraft \u2013 will heissen: je industrialisierter, desto finanzschwacher. Ausgerechnet die historischen Vorreiter der <a href=\"https:\/\/hls-dhs-dss.ch\/de\/articles\/013824\/2015-02-11\/#HMerkmalederschweizerischenIndustrialisierung\">Mechanisierung im Textil-, Maschinen- oder Uhrenbereich<\/a> bilden das heutige Armenhaus der Schweiz AG \u2013 in Neusprech, der <a href=\"https:\/\/www.s-ge.com\/\">Switzerland Global Entreprise<\/a>. \u00abArm\u00bb nat\u00fcrlich immer im Vergleich zu den reicheren Kantonen: Auch der Kanton mit dem tiefsten Bruttoinlandprodukt, Uri (<a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/volkswirtschaft\/volkswirtschaftliche-gesamtrechnung\/bruttoinlandprodukt-kanton.html\">2020: 54\u2019000 Franken pro Kopf<\/a>), ist immer noch wohlhabender als der reichste deutsche Fl\u00e4chenstaat (<a href=\"https:\/\/www.statistikportal.de\/de\/vgrdl\/ergebnisse-laenderebene\/bruttoinlandsprodukt-bruttowertschoepfung#alle-ergebnisse\">Bayern: 48\u2019000 Euro<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Glarnerland ist also eng und klein, \u00fcberdurchschnittlich fremdfinanziert und nach wie vor stark industriell gepr\u00e4gt. Auch ist der Kanton nicht \u00fcberm\u00e4ssig popul\u00e4r, was die <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bevoelkerung\/migration-integration\/binnenwanderung.assetdetail.26565444.html\">Binnenwanderung<\/a> \u2013 also die innerschweizerischen Umz\u00fcge \u2013 angeht. So sind zwischen 2011 und 2022 insgesamt 12\u2019410 Personen in einen anderen Kanton weg, aber bloss 12\u2019025 von dort hinzugezogen. Nur gerade gegen\u00fcber den Kantonen Z\u00fcrich (plus 181) und Schwyz (plus 391) resultiert ein leicht positiver Wanderungssaldo. Was tun?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br>Eine Strasse f\u00fcr die Zuwandernden, Bleibenden, oder Abwandernden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um sich aus der einerseits komfortablen, aber letzten Endes doch befremdlichen Position der finanziellen Abh\u00e4ngigkeit von Bund und anderen Kantonen zu befreien, setzen Kantone wie Glarus unter anderem auf die Mobilit\u00e4t. Dies etwa mit dem Bau von \u00abE+E-Strassen\u00bb zur Erschliessung und Entlastung, sprich einer besseren Anbindung gerade des s\u00fcdlichen Teils des Glarnerlands an die Arbeitspl\u00e4tze der Grossagglomeration Z\u00fcrich. Inmitten der idyllischen Voralpen wohnen und sein Geld an der Limmat verdienen, wer w\u00fcrde das nicht wollen? Tiefe Steuern, hoher Lohn und dazu noch \u00fcber eine vom Bund finanzierte Schnellstrasse donnern \u2013 es scheint also doch m\u00f6glich, den F\u00fcnfer <em>und<\/em> das Weggli zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber w\u00e4re eine neue Strasse letztendlich mehr Fluch als Segen? Fluch, weil eine gute Anbindung des Tals an die A3 das Wegziehen weniger schmerzhaft macht, denn wenn das Heimweh zu stark wird, ist man ja schnell wieder in den Bergen zum Wandern, Biken oder auf der Piste? Fluch auch, weil jede neue Strasse mehr Verkehr nach sich zieht, was wiederum die vermeintlich gewonnene Fahrtzeit zunichte macht und \u00fcberdies die Natur \u00e4sthetisch verschandelt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und selbst wenn bei einer neuen Strasse die \u00abErschliessung\u00bb in jene Richtung funktioniert, in die sie gedacht war \u2013 also mehr dableibende oder zuziehende, gutverdienende Steuerzahler*innen zu gewinnen \u2013 k\u00f6nnte damit der l\u00e4ndliche Charakter des aufgewerteten Kantons zum Schlechten ver\u00e4ndert werden: Denn mehr Leute bedeutet immer auch mehr Investitionen, mehr Wohnraum, mehr Schulen, mehr soziale, gesundheitliche und administrative Dienstleistungen, mehr Energieverbrauch, mehr kulturelle und sportliche Aktivit\u00e4t, aber auch mehr L\u00e4rm und Stress wegen sch\u00e4rferer Verteilungsk\u00e4mpfe um knappe Ressourcen, wie die all eben genannten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder entspr\u00e4chen solche Ver\u00e4nderungen eben gerade der gew\u00fcnschten Belebung und Entwicklung des Kantons \u2013 von der W\u00fcste in eine Oase? Von Menschen unterschiedlicher Herkunft belebter Wohnraum, mit lachenden Kindern gef\u00fcllte Schulen, mehr \u00f6ffentlicher Verkehr, ein breiteres soziales, gesundheitliches und administratives Dienstleistungsangebot, mehr kulturelle, musikalische, religi\u00f6se, soziale und sportliche Aktivit\u00e4ten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fragestellung ist alles andere als theoretisch. Denn im Jahr 2001 hatte die <a href=\"https:\/\/www.landsgemeinde.gl.ch\/landsgemeinde\/2001\">Landsgemeinde des Kantons Glarus<\/a> \u00fcber eine genau solche \u00abErschliessungs- und Entlastungsstrasse\u00bb (E+E) zu entscheiden. Nach vielen Interventionen und heftigen Diskussionen wies die Landsgemeinde das Gesch\u00e4ft zur\u00fcck \u2013 wie sie es bereits 1993 und 1997 getan hatte, und obwohl der Bund zwei Drittel der Kosten von 453 Millionen beglichen h\u00e4tte. 2020 \u00fcbernahm dann allerdings die Eidgenossenschaft gleich die ganze Verantwortung f\u00fcr die Anbindung des Hauptorts Glarus an die A3 (Basel\u2013Sargans via Z\u00fcrich); ausgerechnet Glarus S\u00fcd, also diejenige Gemeinde, die es am n\u00f6tigsten h\u00e4tte, bleibt dadurch jedoch aussen vor. Ironischerweise waren 2001 genau jene Kreise gegen die E+E-Strasse, die politisch wohl am meisten von einer starken Zuwanderung profitiert h\u00e4tten, n\u00e4mlich Links-Gr\u00fcn, w\u00e4hrenddem die Strassenbef\u00fcrworter*innen aus Mitte-Rechts am meisten zu (f\u00fcr sie ungewollten) Ver\u00e4nderungen beigetragen h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br>Standortf\u00f6rderung wohin?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider l\u00e4sst auch die aktuelle kantonale <a href=\"https:\/\/www.gl.ch\/verwaltung\/volkswirtschaft-und-inneres\/wirtschaft-und-arbeit\/wirtschaft\/strategische-grundlagen\/standortstrategie.html\/5121\">\u00abStrategie Standortf\u00f6rderung 2023+\u00bb<\/a> Vision\u00e4res ausser Acht, auch wenn die Diagnose grunds\u00e4tzlich stimmt: So werden als die beiden wichtigsten Merkmale des Kantons die N\u00e4he zum Metropolitanraum Z\u00fcrich und der starke Industriesektor erw\u00e4hnt, wobei auch der Begriff des \u00abKlumpenrisikos\u00bb f\u00e4llt. Ebenso werden Tendenzen hin zu einem \u00abWohnkanton\u00bb aufgezeigt, da zum einen die Zunahme der Bev\u00f6lkerung die Zunahme der Arbeitspl\u00e4tze \u00fcbersteigt und zum anderen vermehrt Wegpendler*innen in Glarus Nord vertreten sind sowie Glarus S\u00fcd st\u00e4rker von der \u00dcberalterung betroffen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jedoch werden erstens Zielkonflikte zwischen wirtschaftlichem Wachstum und touristischer Attraktivit\u00e4t ignoriert: Wer will schon durch mit Fabrikhallen zugebaute Wiesen flanieren oder auf dem Mountainbike von Lastwagen \u00fcberrollt werden? Zweitens wird der starke Fokus auf \u00abdie Industrie\u00bb nicht hinterfragt. Und drittens werden keinerlei Massnahmen gegen den konstatierten Brain-Drain vorgeschlagen \u2013 nur bedauert wird, dass \u00abauf absehbare Zeit [\u2026] kein Fachhochschulstandort in Glarus in Sicht\u00bb ist. Immerhin wird ins Ultrahochbreitband-Netz investiert, um irgendwann (auch) ein Homeoffice-Kanton zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br>Sprint in die Pendlernation<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessanterweise bezogen sich zwei der erfolgreichsten Innovationen der letzten Zeit auf die Schiene. 2004 startete der <a href=\"https:\/\/www.pendlerverein.ch\/index.php\/ueber-uns\/geschichte\/18-der-glarner-sprinter-die-story.html\">Glarner Sprinter<\/a> mit einer direkten Zugverbindung von Schwanden via Glarus und Ziegelbr\u00fccke an den Z\u00fcrcher Hauptbahnhof. Diese seit 2014 als S25 gef\u00fchrte Verbindung l\u00e4sst den n\u00f6rdlichen Teil des Glarnerlands endg\u00fcltig in der Pendlernation Schweiz respektive der Z\u00fcrcher Agglomeration aufgehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Innovation war die Ferien-Aktion <a href=\"https:\/\/glarnerland.ch\/de\/planen-buchen\/angebote\/oev-anreise-geschenkt.html\">\u00ab\u00f6V-Anreise geschenkt\u00bb<\/a>, die auch den SBB pionierhaft erschien. Zugfahren nutzt die bestehende Infrastruktur, ist CO<sub>2<\/sub>-neutral, zuverl\u00e4ssiger und auch noch leiser als der motorisierte Strassenverkehr. Der eben wiedergew\u00e4hlte Glarner St\u00e4nderat Mathias Zopfi w\u00fcnscht sich nicht zuletzt deswegen einen <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20223245\">\u00abT\u00f6ditunnel\u00bb zwischen Linthal und Trun GR<\/a> \u2013 der Bundesrat w\u00e4re f\u00fcr eine vertiefte Studie durchaus zu haben, vorausgesetzt, \u00abdie betroffenen Kantone [machen] einen Bedarf f\u00fcr eine Verbindung geltend\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als eine der Begr\u00fcndungen f\u00fcr seinen Vorstoss f\u00fchrt Zopfi eine dannzumal \u00abmassive Fahrtverk\u00fcrzung aus der Ostschweiz und dem Raum Z\u00fcrich in viele Tourismusgebiete\u00bb an. Dies zeigt einmal mehr die ambivalente Stellung des Glarnerlands (und vieler anderer peripherer Gebiete): wirtschaftlich und mobilit\u00e4tstechnisch nach Norden und vor allem gegen die Stadt Z\u00fcrich und ihren Flughafen hin ausgerichtet, geografisch, ideologisch und politisch aber doch der l\u00e4ndlich-alpinen Ostschweiz zugeh\u00f6rig. Desgleichen f\u00fcr die Mitgliedschaft von Glarus in der schillernden <a href=\"https:\/\/www.greaterzuricharea.com\/de\">Greater Zurich Area<\/a>, der regionalen Wirtschaftsf\u00f6rderung mit Standorten in den USA, China und S\u00fcdkorea, bei gleichzeitigem Mittun in der urchigen <a href=\"https:\/\/www.ork-ostschweiz.ch\/mitglieder.html\">Ostschweizer Regierungskonferenz<\/a> sowie jener der <a href=\"https:\/\/www.rkgk.ch\/\">Gebirgskantone<\/a>, zwei regionalen Zusammenschl\u00fcssen mit prim\u00e4rem Fokus Bundesbern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so stellt sich abschliessend die Frage an jene andere, die boomende und wachsende Schweiz: Sind wir nicht alle Glarus? Irgendwie in einem gr\u00f6sseren Rahmen (Europa) aufgehoben, aber doch sehr stark mit uns selber besch\u00e4ftigt? Den Bergen, dem Wasser, den W\u00e4ldern verbunden, ohne aber modernem Komfort und ultraschnellen, digitalen Zug\u00e4nglichkeiten abschw\u00f6ren zu wollen? Stadt <em>und<\/em> Land, W\u00fcste <em>und<\/em> Oase zugleich?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europa ist zwar seit Jahrzehnten eine beliebte Destination f\u00fcr internationale Einwanderung, die Bev\u00f6lkerungsentwicklung auf unteren Staatsebenen f\u00e4llt jedoch extrem unterschiedlich aus. 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