{"id":721,"date":"2023-07-07T14:52:27","date_gmt":"2023-07-07T12:52:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/wordpress\/?p=721"},"modified":"2024-08-18T18:40:09","modified_gmt":"2024-08-18T16:40:09","slug":"a-fabric-in-turkey-red","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/?p=721","title":{"rendered":"A FABRIC IN TURKEY RED"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-small-font-size\">Auszug aus dem Performancescript, 2013\/2020. Was live ab Papier, aus einem Buch, von einer Projektion, einer Folie, einem Glas oder nach Kopfh\u00f6rern gesprochen wird, ist in Klarschrift gesetzt.&nbsp;<em>Aufgezeichnete Stimmen, Tonaufnahmen oder Liedtexte sind kursiv gesetzt.<\/em><br><br><\/p>\n\n\n\n<p>\u201c<em>The spectacle begins \u2026<\/em><br><em>The tragic heroine appears.<\/em><br><em>The public establishes a kind of empathy with her.<\/em><br><em>The action starts \u2026<\/em><br><em>Suddenly, something happens that changes everything.<\/em><br><em>A radical change in the characters destiny.<\/em>\u201d<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie geht es den Unsichtbaren? Wie geht es uns?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Du bist gerade eben in den Raum gekommen und suchst noch einen Platz. Vielleicht bist du schon eine Weile hier. Du bist noch unterwegs. Vielleicht schaffst du es heute auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der Ort, an dem ich arbeite.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das sind die Leute, mit denen ich arbeite.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>a schaut zu b<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>w\u00e4hrend c und d<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00abDie Lohnarbeit von Frauen und Kindern war unerl\u00e4sslich.\u00bb<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00abEntwurf f\u00fcr ein t\u00fcrkischrot gef\u00e4rbtes Tuch mit fern\u00f6stlichen Motiven, 1836.\u00bb<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Seine Produktion muss mit dem Streik das Jahr darauf zusammengefallen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Was du hier siehst, ist der Entwurf f\u00fcr einen Stoff von 1836. Es ist der Entwurf f\u00fcr den Stoff, wie er sich heute erz\u00e4hlt, in einer Erz\u00e4hlung, von der das Meiste fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Drucksaal ist es stickig und heiss.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tiere versorgen, vor Sonnenaufgang. Eines der kleinen Kinder ist krank, es wird sp\u00e4t. Durch den Schnee stapfen im Halbdunkeln.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; a und b stehen im Gegenlicht<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Du bist noch unterwegs. Vielleicht schaffst du es heute auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Links: \u00abDie Streikglocke\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>1837 l\u00e4sst die Zeugdruckerei Tr\u00fcmpy eine Glocke anbringen und zum Arbeitsbeginn l\u00e4uten; die Arbeiterinnen antworten mit einem Streik.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem ersten.<\/p>\n\n\n\n<p>Du bist noch unterwegs. Vielleicht schaffst du es heute auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abDie Lohnarbeit von Frauen und Kindern war unerl\u00e4sslich.\u00bb&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abSowohl Dessins wie Farben mussten genau dem Original entsprechen, das auf einfache Weise im Ursprungsland hergestellt worden war. Absatzl\u00e4nder: Serbien, Bulgarien, Rum\u00e4nien, Griechenland, Osmanisches Reich, Indien, Indonesien, China, sp\u00e4ter Westafrika.\u00bb<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie sagt: die Halbmonde weisen auf Kundschaft in einem muslimischen Land hin, dass es vermutlich Indonesien sei, bestimmt nicht die T\u00fcrkei, und vergleicht den Entwurf mit einem \u00e4hnlichen Muster.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Licht, die Hitze, das Wasser, die Farbpigmente.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Druckstube, die \u00c4tze, der Bergbach, der F\u00f6hnwind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geheimrezepte f\u00fcr die Farbherstellung, eine ganze Bibliothek.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Musterb\u00fccher, riesige, sich aufl\u00f6sende Lederb\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>a schaut zu b<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>W\u00e4hrend c und d<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>a und b stehen im Gegenlicht<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie hatten einfach genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Import von Kolonialwaren und Baumwolle f\u00fcr Italien und Zentraleuropa. Export von Indiennes, industriell produzierten Stoffdrucken, nach \u00f6stlich inspirierten Vorbildern, Zeugsdruck. Verschiffung vom Freihafen Ancona und Triest. Musterb\u00fccher f\u00fcr alle Destinationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo sich der Stoff zur Skizze befinde: Das Museum sei weiterhin \u00fcberlastet, meine Anfrage und all die anderen Anfragen zur Sammlung gef\u00e4hrden die Entstehung der n\u00e4chsten Sonderausstellung, wird mir gesagt, w\u00e4hrend das gefundene Bild unter ihren H\u00e4nden entsteht, w\u00e4hrend mein Bild von dir und dein Bild von mir unter ihren H\u00e4nden entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abEin Bild aus dem 19. Jahrhundert, das nachwirkt bis heute\u00bb, unter ihren H\u00e4nden entsteht, 18 Stunden am Tag, auch im Winter.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Meterstunden lang auf das Muster geschaut, im Takt des Druckers. Die Farbe anr\u00fchren. Die Dromedare, die Tanzenden, die Dattelpalmen und \u00c4ffchen, die Halbmonde. Tr\u00e4ume einer fernen fr\u00f6hlichen Welt, \u2013 exotisiert oder Selbstbild? \u2013 die sie mitherstellt. Im Drucksaal ist es laut und heiss.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie Donnerrollen f\u00e4hrt der Schlag der Drucker durch den Saal. Bis zu 240 Schl\u00e4ge pro Minute.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Glocke f\u00fchrt die moderne Zeitmessung in die l\u00e4ndliche ein, die dich zwingt genau dann da zu sein, egal, was gerade ist. Deshalb der Streik.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abAls Folge des Streiks die erste Fabrikverordnung \u2013 weltweit. Welche nicht nur ein Mindestalter f\u00fcr Kinderarbeit festsetzt, sondern auch eine Beschr\u00e4nkung der Arbeitszeit f\u00fcr Erwachsene verf\u00fcgt.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schiff l\u00e4uft ein. Die Baumwolle bringt. Das Schiff geh\u00f6rt den Fabrikbesitzern, die Handelsniederlassung auch. Sie handeln direkt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1880\" src=\"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/romy_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3058\" style=\"object-fit:cover\" srcset=\"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/romy_1.jpg 768w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/romy_1-123x300.jpg 123w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/romy_1-418x1024.jpg 418w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/romy_1-627x1536.jpg 627w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Fabrik ist abgebrannt.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem der vielen Br\u00e4nde, die der F\u00f6hnwind verursacht, der ansonsten die T\u00fccher in den H\u00e4nget\u00fcrmen so gut trocknet. Und die Scheiterhaufen der Hexenzeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fabrik sei einfach so abgebrannt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>c und d stehen etwas abseits<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Schiffe laufen \u2013 seit ich es weiss, nach Libanon, Syrien, Konstantinopel. Indien, Indonesien. Die Schiffe laufen, seit ich es weiss, von Ancona aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Platzhalterfigur, die f\u00fcr andere stehen kann, je nach Suchmethode und Sprachsystem.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Platzhalterfigur, die eine M\u00f6glichkeit, eine Unterbrechung, eine Denkbewegung andeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist diffus \u2013 irgend jemand hat das doch hergestellt, achtzig Prozent Frauen und Kinder, wie es in der Statistik steht, ohne Fingerabdr\u00fccke zu hinterlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich frage nach dir. \u00dcberall dort, wo ich dich vermute. Frage ich nach dir. Ich schlage B\u00fccher auf und wieder zu. Lasse sie auf meinem Schreibtisch liegen, bis die Leihfrist abl\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>a greift zu einem freien Zeichen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Figur aus dem Geschichtsunterricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde, wir sollten sie nacherz\u00e4hlen, um sie nochmals zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Geschichte, in der die Heimarbeit der Spinnerinnen, das Klopfen an der Haust\u00fcr, von T\u00fcr zu T\u00fcr, vom Druck der Modelklischees auf die Stoffe abgel\u00f6st wird. Eine Armut folgt der n\u00e4chsten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob es zwischen Druckvorlage, Bildmotiv, Auswanderung und Arbeiterinnenstreik einen Zusammenhang gebe, abgesehen vom zeitlichen und geografischen Zusammenfall von industriellen Produktionsmassen und massenhafter Auswanderung?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Geschichte, deren Geschichten industriell, Schicht f\u00fcr Schicht, entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die T\u00fccher im Wind, um und in die aufgestockten Heugaden geh\u00e4ngt, die jetzt H\u00e4nget\u00fcrme sind \u2013 in allen Farben und Mustern.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf eigenen Schiffen. Haben diese Schiffe auf den Strecken zwischen Tuchexport und Baumwollimport auch versklavte Menschen transportiert?<\/p>\n\n\n\n<p>Weil eine gewisse Zeit mit einer anderen zusammenf\u00e4llt. In der Statistik, da bist du erw\u00e4hnt, da bist du eine unter vielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fabrik ist dann abgebrannt, vor dem Heimatschutz gerettet und das Grundst\u00fcck verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich suche nach dir, dem Muster und seiner Produktion entlang.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>a zu c: ein Loch, in diesem Geschichtsbeschrieb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aber du bist doch von hier?<\/p>\n\n\n\n<p>Unter anderem Kuhmist, Krappwurzel und heisses \u00d6l. S\u00f6ldner haben das Wissen \u00fcber Farbherstellung, Exportwege und Absatzm\u00e4rkte importiert und kapitalisiert. Die Farbrezepte, streng geheim.<\/p>\n\n\n\n<p>Dromedare und Palmen tanzen im F\u00f6hnwind in langen Bahnen, um die H\u00e4nget\u00fcrme herum, die eigentlich zu gross geratene Heugaden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2039Made in China\u203a<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abMehrere Firmen f\u00fchrten eine Handelsniederlassung in einer italienischen Stadt, in Wien, Bukarest, Istanbul, Beirut oder Bagdad.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>\u2039Made in Bangladesh\u203a<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abGelungene Nachahmung javanischer Batik.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>\u2039Made in China\u203a<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abYasmas mit Streifen und Blumenranken f\u00fcr den Export in die jetzige T\u00fcrkei.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>\u2039Made in Bulgaria\u203a<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abMehrere Glarner Druckereien verkauften ihre Batikartikel mit grossem Erfolg in Indien und Indonesien, sp\u00e4ter dann vorwiegend in Westafrika.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>\u2039Made in Indonesia\u203a<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abMusterbuch: Die Dessins verraten indischen Einfluss.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>\u2039Made in Vietnam\u203a<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abEs ist erstaunlich, mit welchem Anpassungsverm\u00f6gen sich die Entwerfer in fremde Formen- und Vorstellungswelten einf\u00fchlten. Beispielsweise in javanische Batikmuster, in Kaschmirpalmetten oder islamische Rankendessins.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>\u2039Made in Vietnam\u203a<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abStoff in persischem Genre.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abEntwurf f\u00fcr ein Bildertuch.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/em><em>ich gehe jetzt<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/em><em>b: du gehst<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe jetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Du gehst.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Ann\u00e4herung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ann\u00e4herung an was?<\/p>\n\n\n\n<p>Von Weitem eine Erinnerung, die genauso gewesen ist \u2013 auf Zeugen sei kein Verlass.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>c: In den Archiven kann ich nichts von dir finden, die Zeugen sind alle tot<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und dennoch k\u00f6nnte genau jener Moment, erz\u00e4hlt in deinen Worten, so entscheidend sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Erz\u00e4hlung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zwischen den Schlagworten und der Alphabetisierung hindurchgefallen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie werden aus Armut auswandern \u2013 Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge. Sie nehmen sich Siedlungsland, was ihnen nicht geh\u00f6rt, w\u00e4hrend hier gerade die Involviertheit in die Sklaverei abgerissen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/em><em>c: ist m\u00fcde und m\u00f6chte lieber morgen weiterproben<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; a und b: brauchen dringend Geld<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; d: h\u00e4tte gerne eine tiefere Stimme im n\u00e4chsten St\u00fcck, aber denselben Charakter<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-small-font-size\">Augusto Baol, <em>Theatre of the Oppressed<\/em>, Urizen Books 1979<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-small-font-size\"><em>Wirtschaftswachstum dank Sklavenhandel? Die Rolle Schweizer Akteure im transatlantischen Dreieckshandel im 17.- 19. Jahrhundert<\/em>, cooperaxion, Bern 2013<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-small-font-size\">E-Mail-Korrespondenz mit dem Freulerpalast N\u00e4fels, 2013<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-small-font-size\">Landesarchiv des Kantons Glarus, 2013<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-small-font-size\">Wirtschaftsarchiv Schwanden, 2019<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-small-font-size\">Eva Maria Belser, <em>The White Man\u2019s Burden. Labour and Human Rights in a Globalised World<\/em>, Freiburg 2007<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-small-font-size\">J\u00fcrg Davatz, <em>Das Glarner Textilmuseum im Freulerpalast in N\u00e4fels<\/em>, 1989<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-small-font-size\">Emil Zopfi, <em>Die Fabrikglocke<\/em>, Limmat Verlag, Z\u00fcrich 2004<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-small-font-size\">Adolf Jenny-Tr\u00fcmpy, <em>Handel und Industrie des Kantons Glarus<\/em>, Historischer Verein des Kantons Glarus, Glarus 1898<br><br><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large content_bild\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/201001-A-Fabric-in-Turkey-Red_Karlsruhe_Romy-Ruegger-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3050\" srcset=\"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/201001-A-Fabric-in-Turkey-Red_Karlsruhe_Romy-Ruegger-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/201001-A-Fabric-in-Turkey-Red_Karlsruhe_Romy-Ruegger-300x200.jpeg 300w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/201001-A-Fabric-in-Turkey-Red_Karlsruhe_Romy-Ruegger-768x512.jpeg 768w, https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/201001-A-Fabric-in-Turkey-Red_Karlsruhe_Romy-Ruegger.jpeg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><br><br>A Fabric in Turkey Red<br>Das Inszenieren des Auff\u00e4cherns, Gegenlesens und Findens von Handlungsstr\u00e4ngen und Narrativen rund um die grossfl\u00e4chige Textilproduktion in den Glarner Alpen: Ein Tal, fr\u00fch industrialisiert. Der erste europ\u00e4ische Fabrikarbeiterinnenstreik &#8211; ein Streik von Frauen und Kindern. Die letzte Hexenverfolgung auf dem Kontinent. Ein historischer Entwurf f\u00fcr ein zusammencollagiertes Druckmuster, betitelt als<em> Ein t\u00fcrkischrotes Tuch mit einem fern\u00f6stlichen Motiv, 1836<\/em>. Das unter ihren H\u00e4nden entsteht. Aus <em>dem<\/em> <em>Osten<\/em> gestohlen, in <em>den<\/em> <em>Osten<\/em> exportiert, zirkuliert als Teil des Dreieckshandels.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die Arbeit beinhaltet <em>240 Beats per Minute<\/em>, eine Klangarch\u00e4ologie, die auf historischen Beschreibungen der Ger\u00e4uschkulisse der Textildruckfabriken basiert &#8211; der Klang der Holzschlegel, wie sie auf die Druckmodeln h\u00e4mmern und mit 240 Schl\u00e4gen pro Minute durch die Fabrikhallen donnern. Der Ausstellungsraum mit seinen neun Sekunden Verz\u00f6gerung ist dabei Resonanzk\u00f6rper.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Das Skript ist Teil einer kontinuierlichen, fortlaufenden Recherche, die Romy N\u00edna R\u00fcegger 2013 in Glarus, N\u00e4fels und Schwanden begonnen hat. Es wurde in Form von Installationen (ar\/ge Kunst Bozen 2019 \/ Badischer Kunstverein, Karlsruhe 2020 \/ Shedhalle, Z\u00fcrich 2021) und Performances (Kunsthof und Les Complices*, Z\u00fcrich 2013 \/ YPA at Mixer Gallery, Istanbul 2013 \/ ar\/ge Kunst, Bozen 2019 \/ Badischer Kunstverein, Karlsruhe 2020) und offenen Ateliers (Shedhalle, Z\u00fcrich 2021) gezeigt, sowie als Script ver\u00f6ffentlicht (Archive Books, Berlin 2018 \/ Apparent Extent, K\u00f6ln 2023) und als Audioarbeit herausgegeben (Apparent Extent, K\u00f6ln 2023). Die K\u00fcnstler:in arbeitet an einem neuen Werkkomplex, der im Rahmen der Kl\u00f6ntal Triennale 2024 gezeigt wird, basierend auf aktuellen Recherchen in Glarus, Schwanden, Diesbach, Ancona, Indonesien und Shanghai.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus dem Performancescript, 2013\/2020. 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