{"id":723,"date":"2023-07-07T14:53:08","date_gmt":"2023-07-07T12:53:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/wordpress\/?p=723"},"modified":"2024-08-14T19:58:56","modified_gmt":"2024-08-14T17:58:56","slug":"biodivers-post-industriell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/?p=723","title":{"rendered":"BIODIVERS POSTINDUSTRIELL"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Mit beinahe vierzig Kleinwasserkraftwerken zwischen Linthal beziehungsweise Elm und Ziegelbr\u00fccke bildet sich im Kanton Glarus eine einmalige und historisch gewachsene Energielandschaft, die bis in die Textilindustrie des 19. Jahrhunderts zur\u00fcckreicht. Damals suchte die Kolonialware Baumwolle noch den Ort der g\u00fcnstigsten Energiequelle auf. Denn hier konnte man die Linth einfach kanalisieren und abzweigen und so schon bald einmal in Elektrizit\u00e4t umwandeln, um die Spinnereien und Webereien anzutreiben. Das Kraftwerk auf dem Legler Areal war typisch daf\u00fcr. Fast das gesamte Wasser der Linth wird \u00fcber ein Gef\u00e4lle von elf Metern turbiniert und produziert eine Jahresenergiemenge von rund f\u00fcnf Gigawattstunden. Eine vergleichbare Energiequelle in Linthal wird f\u00fcr die \u00abneue Ware\u00bb des 21. Jahrhunderts genutzt: f\u00fcr die Datenspeicherung. Angepriesen wird die fast CO<sub>2<\/sub>-freie Dienstleistung an der \u00abLinth als Lebensader\u00bb, \u00abin den Alpen der Schweiz\u00bb als \u00absicherste[n] Ort der Schweiz\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch in welchem Verh\u00e4ltnis steht die Stromerzeugung dieser historisch gewachsenen Energielandschaft, so erneuerbar sie auch sein mag, zu anderen Kraftwerken und zu weiteren Faktoren, insbesondere zur Biodiversit\u00e4t der Gew\u00e4sser? Auffallend gr\u00f6sser ist die produzierte Energiemenge, die Kleinkraftwerke mit dem Wasser der B\u00e4che aus den umliegenden T\u00e4lern und Tobel einspeisen \u2013 so etwa das im Jahre 1941 gebaute Kraftwerk Luchsingen, das verglichen mit dem Kraftwerk Legler &amp; Co. AG nur einen Bruchteil dessen Wassers ben\u00f6tigt und gleichzeitig rund viermal mehr Energie produziert.<\/p>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Kleinwasserkraftwerke<\/strong><\/summary>\n<p class=\"has-link-color wp-elements-3708e7d1ebfb54dd18fc5f6d803136dc\"><strong>Kleinwasserkraftwerke<\/strong>: Laufwasserkraftwerke nutzen die Str\u00f6mung eines Flusses oder Kanals \u2013 so auch entlang der Linth. Sie leisten wie die Atomkraftwerke einen wichtigen Beitrag zum Bandstrom und so zur Stabilit\u00e4t des Netzes. Ihr Potenzial ist aber deutlich ersch\u00f6pft oder muss sogar reduziert werden. Denn der Eingriff in die Gew\u00e4sser\u00f6kologie ist massiv. Oftmals steht der Eingriff von Kleinflusskraftwerken in keinem Verh\u00e4ltnis zum erfolgten Biodiversit\u00e4tsverlust in der Gew\u00e4sser\u00f6kologie. (<a href=\"https:\/\/energiestiftung.ch\/laufwasserkraftwerke\">https:\/\/energiestiftung.ch\/laufwasserkraftwerke<\/a>) Im Kanton Glarus sind Kleinwasserkraftwerke sehr pr\u00e4sent und werden in einer eigenen Website dokumentiert. (<a href=\"https:\/\/www.kleinwasserkraft-gl.ch\/\">https:\/\/www.kleinwasserkraft-gl.ch\/<\/a>) Darin finden sich auch die genaueren Angaben zu den Kraftwerken auf dem Legler Areal und in Linthal. Ein positives Beispiel ist das vergleichsweise grosse Kraftwerk Luchsingen, das sich \u00fcber einen Nebenbach speist und mit 490 Metern H\u00f6hendifferenz pro Jahr insgesamt 22,5 Gigawattstunden Energie produziert. (<a href=\"https:\/\/www.kleinwasserkraft-gl.ch\/kraftwerk\/kw-luchsingen\">https:\/\/www.kleinwasserkraft-gl.ch\/kraftwerk\/kw-luchsingen<\/a>) Dieses hat fast keinen Einfluss auf den Wasserhaushalt in der Talebene. Zentral f\u00fcr die Reduktion der negativen Einfl\u00fcsse auf die Gew\u00e4sser\u00f6kologie sind die Effizienz, welche meist \u00fcber eine m\u00f6glichst grosse H\u00f6hendifferenz erreicht wird, \u00fcber Fischtreppen sowie weitere \u00f6kologische Ausgleichsmassnahmen und Renaturierungen. Den gr\u00f6ssten Effekt f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t erzielt man in der Aufhebung von Kan\u00e4len f\u00fcr Laufwasserkraftwerke, um der Linth wieder den urspr\u00fcnglichen Lauf und somit auch die urspr\u00fcnglichen Auenlandschaften zur\u00fcckzugeben.&nbsp;<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p>Wander- und Kletterwege f\u00fchren im Glarnerland immer wieder \u00fcber abgebrochene Kalkstufen, \u00fcber sogenannte \u00abTritte\u00bb der Sardona-Tektonik \u2013 so zum Beispiel \u00fcber den ber\u00fchmten B\u00e4rentritt ob Braunwald Richtung Ortstock. Oder dann \u00fcber Tritt, Geisstritt und Chalchtrittli von Linthal hoch zum Muttsee. Am eigenen K\u00f6rper erf\u00e4hrt man den direkten physikalischen Zusammenhang zwischen Gef\u00e4lle und Energieverbrauch, wenn es hochgeht, und Energieproduktion, wenn die Wassermassen herunterst\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens wenn man verschwitzt auf der Muttseeh\u00fctte ankommt, beginnt man die Dimensionen des Pumpspeicherwerks Limmern zu erahnen, das nicht nur den H\u00f6henunterschied von insgesamt 1600 Metern, sondern das ganze Wassereinzugsgebiet vom Panixer- bis zum Klausenpass nutzt. Und nicht nur das. Zu einem Zeitpunkt, als man vor noch nicht zehn Jahren die Wasserkraftwerke schweizweit verscherbeln wollte, hatte man im Glarnerland einen guten Riecher im Wissen darum, dass in Zukunft nicht nur Wasser-, sondern auch Solar- und Windkraft unsere Elektrizit\u00e4tsversorgung bestimmen werden. Man entwickelte eine Vision, um die wetterabh\u00e4ngigen Produktionsschwankungen aufzufangen und das Versorgungsnetz bis nach S\u00fcddeutschland zu stabilisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dank einem direkten Anschluss an die oberste Netzstufe konnte das Pumpspeicherwerk zwischen Muttsee und Limmernsee auf eine Maximalleistung ausgebaut werden. Bei zu viel Stromeinspeisung durch Photovoltaik oder Windkraft kann Wasser vom Limmernsee hochgepumpt werden. Bei Unterdeckung oder bei grosser Nachfrage nutzt man die Pumpen als Turbinen. So leistet der obere \u00abTritt\u00bb des Kraftwerkkomplexes ein Mehrfaches des bereits fr\u00fcheren Pumpspeicherwerks zwischen Limmernsee und Tierfehd und \u00fcbernimmt weitgehend die Funktion einer Batterie \u00fcber Mittag, \u00fcber Nacht oder \u2013 je nach Kapazit\u00e4t \u2013 sogar \u00fcber ein paar Tage, aber nicht \u00fcber Wochen und Monate, um die Winterl\u00fccke zu schliessen. So bildet selbst das Pumpspeicherwerk Limmern einen wichtigen Puzzlestein in der nationalen Energiewende, die sich aus dem Ausstieg aus der Kernkraft und den Anforderungen des Pariser Klimaabkommens ergibt. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Netzebenen und Winterl\u00fccke<\/strong><\/summary>\n<p class=\"has-link-color wp-elements-e730b3dc38cfcbcf4ad5bcdcfe1d8057\"><strong>Netzebenen und Winterl\u00fccke<\/strong>: Je h\u00f6her die Spannung, desto verlustarmer ist die Strom\u00fcbertragung; je l\u00e4nger die \u00dcbertragungsdistanz, desto h\u00f6her ist die Spannung und damit auch die m\u00f6gliche Energiemenge, die \u00fcbertragen werden kann. Die Schweiz verf\u00fcgt \u00fcber vier Netzebenen und dazwischen jeweils eine Transformatorenebene, auf denen die Spannung hoch- oder hinuntertransformiert wird: Die Netzebene 1 (380\/220 Kilovolt Spannung) gilt als H\u00f6chstspannungsebene und ist f\u00fcr die \u00dcbertragung \u00fcber lange Distanzen vorgesehen, so auch zum Beispiel von der Limmern in den Metropolitanraum Z\u00fcrich oder in den s\u00fcddeutschen Raum; die Netzebene 3 (36 \/150 Kilovolt Spannung) ist die Hochspannungsebene und die Netzebene 5 (1\/36 Kilovolt Spannung) die Mittelspannungsebene, w\u00e4hrend die Netzebene 7 (1 Kilovolt Spannung) in die Haushalte gelangt. (<a href=\"https:\/\/www.swissgrid.ch\/de\/home\/operation\/power-grid\/grid-levels.html\">https:\/\/www.swissgrid.ch\/de\/home\/operation\/power-grid\/grid-levels.html<\/a>) Je nach Gr\u00f6sse und Leistung der Produktionsanlagen und des Bedarfs wird der Strom hinunter- oder hochtransformiert. So stabilisieren kleinere Wasserkraftwerke tendenziell die unteren Netzebenen 5 und 7, w\u00e4hrend die Pumpspeicherwerke auf die oberste Netzwerkebene ausgerichtet sind. Die eigentliche L\u00fccke in der Energieversorgung entsteht bei einer Vernachl\u00e4ssigung von hochalpinen Solaranlagen und Windkraft im Winterhalbjahr, wenn der Bedarf wegen des Betriebs der fossilfreien und h\u00f6chst effizienten W\u00e4rmepumpen erh\u00f6ht ist. Vor allem in den Monaten Februar bis April, wenn die Stauseen schon leer sein k\u00f6nnen, erh\u00f6ht sich das Risiko markant, welches jedoch elegant durch Alpenstrom aus Sonne und Wind mit Zwischenspeicherung in Pumpspeicherwerken minimiert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p>Zur vollst\u00e4ndigen Dekarbonisierung \u2013 dem Umstieg von fossilen Brennstoffen auf kohlenstofffreie und erneuerbare Energiequellen \u2013 unseres Energiemixes ist die Elektrifizierung von Geb\u00e4uden, Mobilit\u00e4t und Industrie entscheidend. Gehen wir von einem relativ hohen Autarkiegrad der Schweiz aus, der aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden gef\u00e4hrdet ist, so ist es \u00e4usserst sinnvoll, die Winterstroml\u00fccke im Blick zu behalten. Die Gesamtenergiemenge nimmt zwar ab, weil Elektromobilit\u00e4t und W\u00e4rmepumpen um ein Vielfaches effizienter sind als fossile Motoren. Sie wird aber zu gross, wenn wir Energielandschaften nicht neu denken, die den Ersatz der fossilen Energietr\u00e4ger voll einpreisen. Nur schon aus purem Eigeninteresse wird die Schweiz ihren nationalen Beitrag zur Einhaltung der planetaren Grenzen der globalen Erw\u00e4rmung und der Ozeanversauerung zu leisten haben. Darum m\u00fcssen die neuen Erneuerbaren neben der Wasserkraft gezielt auf das Winterhalbjahr ausgerichtet werden. Zwei zentrale Mosaiksteine bilden die Windkraft an exponierten Kamm- oder Passlagen und die hochalpine Photovoltaik.<\/p>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Europas Batterie<\/strong><\/summary>\n<p><strong>Europas Batterie<\/strong>: Das Schweizer Stromnetz ist eingebunden ins kontinentaleurop\u00e4ische Netz, das von der Ukraine bis nach Portugal reicht. Doch noch immer fehlt ein Schweizer Stromabkommen mit der EU, sodass die Schweiz damit rechnen muss, dass sie f\u00fcr den Handel zwischen den EU-L\u00e4ndern 70 Prozent des Stroms auf der obersten Netzebene zur Verf\u00fcgung stellen muss. Die Schweiz figuriert somit als abkommensfreie \u00abBatterie\u00bb f\u00fcr die umliegenden L\u00e4nder. (<a href=\"https:\/\/www.swissgrid.ch\/de\/home\/newsroom\/blog\/2022\/die-siebzig-prozent-regel.html\">https:\/\/www.swissgrid.ch\/de\/home\/newsroom\/blog\/2022\/die-siebzig-prozent-regel.html<\/a>) Werden aber Transitrouten f\u00fcr den Stromhandel zwischen Deutschland und Italien, aber auch mit Frankreich um die Schweiz herum gebaut, wird diese vom lukrativen Winterstromgesch\u00e4ft abgekoppelt. Hier die richtige Balance zwischen unm\u00f6glicher Autarkie und Marktbeteiligung zu finden, ist eine schwierige Aufgabe und k\u00f6nnte massiv ins Geld gehen, solange kein Vertrag vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p>So erreichen wir nach den drei \u00abTritten\u00bb endlich die Staumauer am Muttsee, die bereits mit Photovoltaikpanels best\u00fcckt ist \u2013 leicht schr\u00e4g, im idealen Winkel auf die Wintersonne ausgerichtet. In Verbindung mit der Schneereflexion und mit der kalten, klaren Luft ist ihre Effizienz maximal und im Winter um ein Mehrfaches gr\u00f6sser als im Mittelland, wo die Elektrizit\u00e4t dringend gebraucht wird. Ein steifer Wind zieht \u00fcber den Grat. So sp\u00fcren wir am eigenen Leib, wie hier die Energielandschaft einer dekarbonisierten Schweiz im Herzen der Alpen nach einer Vervollst\u00e4ndigung ruft.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch fehlen die Windr\u00e4der \u2013 wie sie am Gotthardpass oder auf dem G\u00fctsch zu finden sind. Noch kann die bereits gemachte Erfahrung zur Erweiterung der hochalpinen Photovoltaik in Anschlag gebracht werden. So \u00fcbernimmt das Gesamtkraftwerk Limmern nicht nur die Rolle der Netzstabilisierung und der kurzfristigen Energiespeicherung, sondern auch der Winterstromproduktion. Denn bis jetzt handelt es sich um ein Nullsummenspiel: Auch wenn Pumpspeicherwerke als Batterien sehr effizient sind, so entspricht der Energieverlust, der durch die Energiedifferenz zwischen ben\u00f6tigter Pumpenergie und produzierter Turbinenenergie im gesamten Komplex ungef\u00e4hr der Energiemenge, die durch das zus\u00e4tzlich gesammelte und turbinierte Wasser entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p>So sehr man das Lokale und historisch Gewachsene zu sch\u00e4tzen weiss: Die Glarner Kleinwasserkraftwerke produzieren ihre Elektrizit\u00e4t mehrheitlich im Sommerhalbjahr. Damit entlasten sie zwar im Lokalen den Energieverbrauch und leisten einen Beitrag zur Stabilisierung des Netzes durch ihre Stetigkeit. Doch ihr nationaler Beitrag ist zu vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit erstaunlicher Geschwindigkeit erhielt die Gesamtanlage des Pumpspeicherwerks Limmern-Muttsee ohne Einsprache die Bewilligung, weil in einem Bonus-Malus-System die Interessen von Naturschutzverb\u00e4nden und Nutzer*innen gleichwohl ber\u00fccksichtigt werden konnten. Dazu geh\u00f6rte auch die Bedingung, dass bestimmte Wasserf\u00e4lle \u00fcber der Tierfehd w\u00e4hrend mehrerer Wochen im Sommer nicht gefasst werden sollen und die Axpo Fischtreppen bei den Kleinkraftwerken zu finanzieren hatte. <\/p>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Gew\u00e4sser\u00f6kologie<\/strong><\/summary>\n<p>Zu regenerierende <strong>Gew\u00e4sser\u00f6kologie<\/strong>: Am gef\u00e4hrdetsten in der Schweiz sind die \u00d6kosysteme, Pflanzen- und Tierarten an und in Gew\u00e4ssern, insbesondere Fluss- und Bachl\u00e4ufe sowie Auen- und Sumpflandschaften. (Delarze, Gonseth et al., 2015) In der Schweiz sind 90 Prozent der Auengebiete an freien, fliessenden Gew\u00e4ssern verschwunden. Und selbst die gesch\u00fctzten Auengebiete stehen heute unter Druck. (<em>BAFU<\/em>, <em>2020<\/em>) Zudem sind Wasserpflanzen am gef\u00e4hrdetsten, w\u00e4hrend zwei Drittel der Fische und noch mehr Amphibien und Wasserk\u00e4fer gef\u00e4hrdet oder bereits ausgestorben sind. Ein zentraler Faktor ist dabei die Wasserkraftnutzung. (BAFU, 2022)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p>Der Beitrag von Wind- und hochalpinem Solarstrom im Winter ist \u00fcberlebenswichtig. Dies im Unterschied zur Sommerproduktion aus Wasserkraft, die die Photovoltaikanlagen im Mittelland und die Infrastruktur im Tal ersetzen, sodass die Linth weiter renaturiert werden kann. Schweizweit w\u00fcrde lediglich ein Prozent der Alpwirtschaftsfl\u00e4che f\u00fcr Photovoltaik ben\u00f6tigt. Die Gegend um die Muttseeh\u00fctte, ideal ans Netz angeschlossen, leistet einen wichtigen und sinnvollen Beitrag dazu. Und so bewirbt der Glarnerland Tourismus seine urbane Klientel nicht nur mit unber\u00fchrten Wanderlandschaften und blauen Stauseen, sondern auch mit neuen, h\u00f6chst biodiversen Auenlandschaften im Tal und mit ihrer eigenen Energielandschaft \u00fcber dem Nebel \u2013 einer Energielandschaft, welche die Alpen vor einer weiteren fatalen Erw\u00e4rmung sch\u00fctzt. <\/p>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Biodiversit\u00e4t<\/strong><\/summary>\n<p>Die <strong>Biodiversit\u00e4t<\/strong> steht ebenso wie das Klima unter heftigem Druck. Die Forschung ist sich unsicher, ob wir auch hier (wie wahrscheinlich auch beim Klima) bereits Kipppunkte erreicht haben \u2013 wobei inzwischen die Klimaerw\u00e4rmung zum wichtigsten Faktor f\u00fcr den Lebensraumverlust und f\u00fcr das Artensterben geworden ist. Die international koordinierte Aufarbeitung und die daraus abgeleiteten Empfehlungen erfolgen \u00fcber das IPBES, das Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services \u2013 vergleichbar mit dem IPCC f\u00fcr die Globale Erw\u00e4rmung. (<a href=\"https:\/\/www.ipbes.net\/\">https:\/\/www.ipbes.net\/<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p>Energielandschaften sind kulturelle Produkte, die im Vorlauf zu den neuen Energieformen ihre eigenen Diskurse ausbilden. So wie die Seen der Wasserkraft noch an romantische Gem\u00e4lde erinnern, so werden sich Wind und Sonne nicht nur mit Alpwirtschaft und Tourismus verbinden, sondern auch Sinnbild f\u00fcr eine neue, dekarbonisierte Welt sein. <\/p>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Planetare Grenzen<\/strong><\/summary>\n<p><strong>Planetare Grenzen: <\/strong>F\u00fcr das \u00dcberleben nicht nur von Fauna und Flora auf dieser Erde, sondern auch f\u00fcr den Menschen selbst ist die Sicherung der Lebensgrundlagen notwendig. Daf\u00fcr ist die Einhaltung der planetaren Grenzen unabdingbar. Dazu geh\u00f6rt nicht nur die Klimaerw\u00e4rmung mit dem Ziel der Reduktion der Klimagaskonzentration auf 350 ppm CO<sub>2<\/sub>, sondern auch die Versauerung der Ozeane, die damit in direkter Korrelation stehen. Ebenso sind die S\u00fcsswassernutzung, der Ozonverlust in der Stratosph\u00e4re, die Reduktion von Wald-, Wies- und Moorfl\u00e4chen und vor allem der Verlust von Biodiversit\u00e4t Teil davon. Das Konzept wurde 2009 das erste Mal in einem viel beachteten Artikel pr\u00e4sentiert und wird laufend \u00fcberarbeitet und an die neuesten systemwissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst. Den besten \u00dcberblick erh\u00e4lt man auf Wikipedia: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Planetare_Grenzen\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Planetare_Grenzen<\/a><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p>So bleibt Glarus auch im 21. Jahrhundert auf der H\u00f6he der Zeit. Wenn in der Nachfolge von Albrecht von Haller die alpine Landschaft bis heute mehrheitlich unter dem Aspekt der Idylle wahrgenommen wird, dann haben weder Biodiversit\u00e4t noch Klimaschutz gewonnen. Wenn wir aber anerkennen, dass Landschaft immer schon ein Produkt ist, das nicht einfach \u00abnat\u00fcrlich\u00bb und \u00abwild\u00bb ist, sondern von uns immer auf irgendeine Weise beansprucht wird und wir unsere Spuren immer sichtbar hinterlassen, m\u00fcssen wir sie bewusst mitgestalten zugunsten der planetaren Grenzen. Wir kommen nicht mehr darum herum, diese ernsthaft zu beachten, weil es schlicht und ergreifend \u00fcberlebenswichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Erholungssuchende aus Z\u00fcrich im Kanton Glarus auf eine neue Kulturlandschaft treffen werden, welche effizienter und zugleich biodiverser ist, wissen sie: Hier wird unser Energiebedarf wirklich nachhaltig gedeckt. Und in Zukunft wird man dieses Zeugnis der Energiewende als Paradigmenwechsel von einem unbedachten hin zu einem bewussten Anthropoz\u00e4n zu deuten wissen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Schweizer Wasserkraft<\/strong><\/summary>\n<p>Aufgrund billiger Kohlenkraft und der aufkommenden neuen Erneuerbaren, insbesondere Windkraft, schien die <strong>Schweizer Wasserkraft<\/strong> im internationalen Vergleich in den 2010er-Jahren nicht mehr zu rentieren, sodass die grossen, ebenso international t\u00e4tigen Energieversorger wie Axpo, Alpiq, Repower oder BKW beabsichtigten, Wasserkraftwerke abzustossen. Dagegen erhob sich aus patriotischen und etatistischen \u00dcberlegungen heraus seitens der SVP und SP Widerstand \u2013 exemplarisch dazu ein NZZ-Bericht aus dem Jahre 2016. (<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/zuerich\/axpo-svp-und-sp-zuerich-stellen-wasserkraft-unter-heimatschutz-ld.1652712?reduced=true\">https:\/\/www.nzz.ch\/zuerich\/axpo-svp-und-sp-zuerich-stellen-wasserkraft-unter-heimatschutz-ld.1652712?reduced=true<\/a>)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Pumpspeicherwerke<\/strong><\/summary>\n<p><strong>Pumpspeicherwerke<\/strong>: Inzwischen hat sich das Blatt gewendet und die Wasserkraft ist h\u00f6chst rentabel geworden. Dabei spielen Pumpspeicherwerke eine zentrale Rolle \u2013 weniger f\u00fcr die Energieproduktion selbst als vielmehr f\u00fcr den Tageszeitenausgleich. Das Pumpspeicherwerk Limmern spielt dabei eine zentrale Rolle. (<a href=\"https:\/\/www.axpo.com\/ch\/de\/ueber-uns\/energiewissen.detail.html\/energiewissen\/pumpspeicherwerk-limmern.html\">https:\/\/www.axpo.com\/ch\/de\/ueber-uns\/energiewissen.detail.html\/energiewissen\/pumpspeicherwerk-limmern.html<\/a>) Drei weitere vergleichbare \u00abBatterien\u00bb f\u00fcr die Schweiz und das nahe Ausland w\u00fcrden gen\u00fcgen, um Spitzen aus den neuen Erneuerbaren nach der Energiewende abzufangen, so das Pumpspeicherwerk Nant de Drance im Unterwallis mit einer Leistung von 900 Megawatt, die Grimselkraftwerke mit einer gegenw\u00e4rtigen Pumpleistung von rund 600 Megawatt, welche noch weiter ausgebaut werden soll, sowie das geplante Pumpspeicherwerk zwischen dem Lago Bianco beim Berninapass und dem Lago di Poschiavo. Dort ist eine mit der Limmern vergleichbare Leistung von 1000 Megawatt geplant. (<a href=\"https:\/\/www.repower.com\/gruppe\/%C3%BCber-uns\/unsere-anlagen\/projekte\/pumpspeicherwerk-lagobianco\/\">https:\/\/www.repower.com\/gruppe\/%C3%BCber-uns\/unsere-anlagen\/projekte\/pumpspeicherwerk-lagobianco\/<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Literatur:<\/p>\n\n\n\n<p>Delarze, Raymond, Gonseth, Yves et al. (2015). <em>Lebensr\u00e4ume der Schweiz<\/em>. <em>\u00d6kologie \u2013 Gef\u00e4hrdung \u2013 Kennarten<\/em>. (3. Aufl.). Ott Verlag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-link-color wp-elements-db8f527b89c645ae2ae2a0bae9ca7df0\">BAFU (2020<em>) (Hrsg.).<\/em> <em>Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung<\/em>. <a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/dam\/bafu\/de\/dokumente\/biodiversitaet\/fachinfo-daten\/bundesinventar-der-auengebiete-von-nationaler-bedeutung-stand-und-handlungsbedarf.pdf\">https:\/\/www.bafu.admin.ch\/dam\/bafu\/de\/dokumente\/biodiversitaet\/fachinfo-daten\/bundesinventar-der-auengebiete-von-nationaler-bedeutung-stand-und-handlungsbedarf.pdf<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>BAFU (2022) (Hrsg.). <em>Gew\u00e4sser in der Schweiz, Zustand und Massnahmen<\/em>. <a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/bafu\/de\/home\/themen\/wasser\/publikationen-studien\/publikationen-wasser\/gewaesserbericht.html\">https:\/\/www.bafu.admin.ch\/bafu\/de\/home\/themen\/wasser\/publikationen-studien\/publikationen-wasser\/gewaesserbericht.html<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit beinahe vierzig Kleinwasserkraftwerken zwischen Linthal beziehungsweise Elm und Ziegelbr\u00fccke bildet sich im Kanton Glarus eine einmalige und historisch gewachsene Energielandschaft, die bis in die Textilindustrie des 19. Jahrhunderts zur\u00fcckreicht. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_EventAllDay":false,"_EventTimezone":"","_EventStartDate":"","_EventEndDate":"","_EventStartDateUTC":"","_EventEndDateUTC":"","_EventShowMap":false,"_EventShowMapLink":false,"_EventURL":"","_EventCost":"","_EventCostDescription":"","_EventCurrencySymbol":"","_EventCurrencyCode":"","_EventCurrencyPosition":"","_EventDateTimeSeparator":"","_EventTimeRangeSeparator":"","_EventOrganizerID":[],"_EventVenueID":[],"_OrganizerEmail":"","_OrganizerPhone":"","_OrganizerWebsite":"","_VenueAddress":"","_VenueCity":"","_VenueCountry":"","_VenueProvince":"","_VenueState":"","_VenueZip":"","_VenuePhone":"","_VenueURL":"","_VenueStateProvince":"","_VenueLat":"","_VenueLng":"","_VenueShowMap":false,"_VenueShowMapLink":false,"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[74,73,75,154,77,66,76,69,65,78,117,67,105,97,70,71,72,79,68,58,44],"class_list":["post-723","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-context","tag-anthropozaen","tag-biodiversitaet","tag-dekarbonisierung","tag-ecosystem","tag-energie","tag-energielandschaften","tag-energiewende","tag-gewaesseroekologie","tag-glarus","tag-industrie","tag-klima","tag-kulturlandschaft","tag-nachhaltigkeit","tag-oekologie","tag-planetare-grenzen","tag-postindustrie","tag-solarenergie","tag-wasser","tag-wasserkraft","tag-wirtschaftspolitik","tag-wirtschaftsraum"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/723","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=723"}],"version-history":[{"count":42,"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/723\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4802,"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/723\/revisions\/4802"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=723"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=723"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kloentaltriennale.ch\/hinterland\/dev\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=723"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}